Geometrisches und materielles Hourglassing bei großen Deformationen

Forschungsprojekt

Entwicklung und Anwendung stabiler, lockingfreier finiter Elemente für große Deformationen

Überblick

  • Geometrisches Hourglassing
  • Materielles Hourglassing

Projektbeschreibung

Für viele Probleme in der Mechanik, wie beispielsweise die Verformungsuntersuchung von Festkörpern mit elastischem oder elasto-plastischem Materialverhalten, wird die Finite-Element-Methode verwendet. Dabei treten häufig Locking-Effekte auf, die zu einer deutlich zu steifen Systemantwort führen können.

Für geometrisch lineare und nichtlineare Finite Elemente existieren verschiedene Ansätze, um Locking zu vermeiden. Insbesondere für nichtlineare Elemente bestehen dabei jedoch noch viele offene Fragen. In diesem Forschungsprojekt stehen aufgrund ihrer allgemeinen Anwendbarkeit die sogenannten Enhanced-Assumed-Strain-(EAS)-Elemente im Vordergrund.

Ein zentrales Problem der EAS-Elemente bei großen Deformationen ist das sogenannte Hourglassing, eine ungewünschte numerische Instabilität. Dabei wird zwischen geometrischem und materiellem Hourglassing unterschieden.

Gegenüberstellung physikalisch auftretender Instabilitäten (hier abgebildet: Knick- bzw. Beulmoden) und numerischer Instabilitäten (Hourglassing).

Geometrisches Hourglassing

Geometrisches Hourglassing tritt aufgrund von Instabilitäten in der geometrischen Steifigkeit bei Druckbelastungen auf.

Im Vorgänger-Projekt wurde diese Effekte bereits ausführlich untersucht. Dabei konnten modifizierte EAS-Elemente entwickelt werden, bei denen die Instabilitäten in vielen Fällen verhindert werden. Ein wichtiger Punkt hierbei ist, dass physikalisch auftretende Instabilitäten weiterhin abgebildet werden können.

In diesem Projekt werden nun weitere offene Fragestellungen betrachtet, insbesondere das Auftreten von Hourglassing bei inhomogenen Deformationen sowie bei verzerrten Netzen.

Materielles Hourglassing

Materielles Hourglassing wird hingegen von Instabilitäten aus der materiellen Steifigkeit ausgelöst. Dies tritt häufig bei Materialentfestigung auf, wie zum Beispiel im elasto-plastischen Bereich.

Zunächst sollen in diesem Projekt die Ursachen dieses numerischen Phänomens systematisch untersucht werden. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse sollen anschließend stabilisierte finite Elemente entwickelt werden. Dabei ist es ein wesentliches Ziel, die physikalisch korrekte Materialreaktion weiterhin korrekt abbilden zu können.

Elasto-Plastischer Zugversuch: Simuliert mit Locking-behafteten Standard-Elementen (kein Hourglassing).
Elasto-Plastischer Zugversuch: Simuliert mit EAS-Elementen, wobei numerische Instabilitäten in Form von Hourglassing auftreten.

Projektdaten

Projekttitel:
Nichtlineare Finite-Elemente-Technologie für die stabile und lockingfreie Analyse von Problemen mit großen Deformationen
Förderung:

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), Sachbeihilfe BI 722/11-2, GEPRIS-Projektnummer 299369509

Veröffentlichungen

  1. Bieber, S. (2024). Locking and hourglassing in nonlinear finite element technology [Doktorarbeit, Bericht Nr. 76. Institut für Baustatik und Baudynamik der Universität Stuttgart]. https://doi.org/10.18419/opus-14214
  2. Bieber, S., Auricchio, F., Reali, A., & Bischoff, M. (2023). Artificial instabilities of finite elements for nonlinear elasticity: Analysis and remedies. International Journal for Numerical Methods in Engineering. https://doi.org/10.1002/nme.7224
  3. Pfefferkorn, R., Bieber, S., Oesterle, B., Bischoff, M., & Betsch, P. (2020). Improving Efficiency and Robustness of EAS Elements for Nonlinear Problems. International Journal for Numerical Methods in Engineering, 122, Article 8. https://doi.org/10.1002/nme.6605

Bearbeitung:

Dieses Bild zeigt Henrik Jakob

Henrik Jakob

M. Sc.

Akademischer Mitarbeiter

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